Diffuse Symptome wie Abgeschlagenheit, Konzentrationsstörungen, regelmäßige Kopfschmerzen oder eine erhöhte Infektanfälligkeit lassen sich oft nur schwer zuverlässig diagnostizieren. Viele Patientinnen und Patienten werden jahrelang zwischen Neurologen, Internisten und Schmerztherapeuten hin- und hergeschickt, ohne je eine befriedigende Antwort zu bekommen. Aber was, wenn die Lösung im Kieferknochen liegt? Eine stille Entzündung im Kieferknochen (NICO) kann solche Symptome verursachen, ist allerdings meist nur schwer zu identifizieren – eine RANTES-Wert-Messung bei Ihrem Zahnarzt kann jedoch wertvolle Indizien liefern.
Was verbirgt sich hinter NICO und dem RANTES-Wert?
Das harmlos wirkende Kürzel NICO steht für „Neuralgia Inducing Cavitational Osteonecrosis“, was im Deutschen auch oft durch FDOK abgekürzt wird („Fettig-Degenerative Osteonekrose des Kieferknochens“). Beides bezeichnet eine chronische Entzündung des Kiefers, bei der sich die Knochensubstanz zersetzt und durch fettiges Bindegewebe ersetzt wird. Auslöser sind oft nicht richtig verheilte Zahnwurzelbehandlungen oder Zahnextraktionen. Die Degeneration läuft meist lange Zeit schmerzfrei ab und ist auf herkömmlichen Röntgenbildern nur sehr schwer zu erkennen, sodass sie oft unbemerkt bleibt oder nur durch Zufall entdeckt wird. Sie kann aber die oben beschriebenen Symptome verursachen – und sehr starke Schmerzen, falls die Nekrose den Trigeminusnerv freilegen sollte.
RANTES (auch unter CCL5 bekannt) wiederum ist die Abkürzung für „Regulated And Normal T cell Expressed and Secreted“. Dahinter verbirgt sich ein Entzündungsbotenstoff, der vom Immunsystem als Reaktion auf eine Entzündung ausgeschüttet wird, um Abwehrzellen anzulocken – auch im Falle von NICO. Durch eine Messung des RANTES-Wertes im Blut kann ein Zahnarzt also untersuchen, ob der Körper gerade gegen eine Entzündung ankämpft. Man geht davon aus, dass die erhöhte Ausschüttung von RANTES auch an anderen Stellen im Körper entsprechende Reaktionen auslösen und so die oben genannten Symptome verursachen kann.
Welche Vorteile eine Messung des RANTES-Werts beim Zahnarzt bietet
- Ursachen statt Symptome: Der RANTES-Wert liefert einen ersten Anhaltspunkt dafür, ob ein bislang übersehener Entzündungsherd im Kiefer an anderer Stelle im Körper Beschwerden auslöst oder verstärkt.
- Nicht-invasive erste Einschätzung: Die Bestimmung erfolgt über eine Blutentnahme, ohne dass ein operativer Eingriff nötig ist.
- Ergänzung zur Bildgebung: In Kombination mit einer digitalen Volumentomografie (DVT) lässt sich ein auffälliger Laborwert gezielt einem Areal im Kieferknochen zuordnen.
- Ansatzpunkt bei austherapierten Beschwerdebildern: Gerade wenn andere Fachrichtungen keine Erklärung finden, eröffnet der Blick auf den Kieferknochen eine zusätzliche Spur.
- Verlaufskontrolle: Nach einer Sanierung lässt sich der RANTES-Wert erneut bestimmen, um den Behandlungserfolg einzuordnen.
- Individuelle Risikoeinschätzung: In Zusammenschau mit weiteren Entzündungsmarkern entsteht ein differenzierteres Bild der Belastung als durch einen einzelnen Wert allein.

Wie läuft die Diagnostik in unserer Praxis am Neuen Wall ab?
Am Anfang steht ein ausführliches Gespräch mit Dr. Nicole Leonhard in unserer Praxis, nur wenige Gehminuten vom Jungfernstieg entfernt. Dr. Leonhard kann auf mehr als 30 Jahre Erfahrung in der biologisch-ganzheitlichen Zahnmedizin zurückblicken und nimmt sich Zeit, um Ihre Krankengeschichte, bisherige Diagnosen und den zeitlichen Verlauf Ihrer Beschwerden möglichst vollumfänglich nachzuvollziehen. Häufig ergeben sich bereits aus diesem Gespräch erste Hinweise darauf, ob NICO als mögliche Ursache Ihrer Beschwerden infrage kommt und welcher Kieferbereich näher untersucht werden sollte.
Für die Messung des RANTES-Wertes beim Zahnarzt genügt eine einfache Blutabnahme, wie Sie sie von anderen Laboruntersuchungen kennen. Die Probe geht anschließend an ein spezialisiertes Labor, das Ergebnis liegt in der Regel nach wenigen Tagen vor. Bei einem Wert von mehr als 30 ng/mL liegt die Vermutung nahe, dass der Organismus gegen eine Entzündung ankämpft.
Da ein einzelner Laborwert allerdings noch keine diagnostische Gewissheit schafft, greifen wir bei einem begründeten Verdacht dann auf weitere Verfahren zurück, um Sicherheit zu gewinnen. Zunächst kommt dabei die digitale Volumentomografie (DVT) zum Einsatz. Sie liefert dreidimensionale Aufnahmen des Kieferknochens und macht Strukturveränderungen sichtbar, die auf einem klassischen zweidimensionalen Röntgenbild verborgen bleiben – etwa den fettig-degenerativen Umbau, der für NICO beziehungsweise FDOK charakteristisch ist. So lässt sich ein auffälliger RANTES-Wert gezielt einem Areal im Kiefer zuordnen.
Ergänzend ziehen wir je nach Ausgangslage weitere Laborwerte heran: Ihren Mikronährstoffstatus, zusätzliche Entzündungsmarker oder – bei bestehenden Restaurationen im betroffenen Kieferabschnitt – eine Materialverträglichkeitsprüfung. So möchten wir uns ein möglichst vollständiges Bild machen, bevor wir die nächsten Schritte gemeinsam mit Ihnen besprechen. Bestätigt sich der Verdacht auf ein Störfeld, planen wir die Sanierung individuell – mehr zu unserem diagnostischen Gesamtkonzept erfahren Sie im Bereich biologische Zahnmedizin.
Ist ein erhöhter RANTES-Wert beim Zahnarzt ein Beweis für NICO?
Diese Frage hören wir häufig – und die ehrliche Antwort lautet: Nein, nicht automatisch. Ein erhöhter RANTES-Wert ist ein Hinweis, kein Beweis. Der Botenstoff tritt auch bei anderen entzündlichen Prozessen im Körper auf, etwa bei rheumatischen Erkrankungen oder Allergien. Er ersetzt daher keine bildgebende Untersuchung, sondern ergänzt sie.
Ebenso wichtig ist uns die Einordnung des Forschungsstands: Die Datenlage zu RANTES/CCL5 als Marker für NICO beziehungsweise FDOK stammt überwiegend aus Arbeiten weniger spezialisierter Forschungsgruppen und ist in der breiten Schulmedizin bislang nicht als Standardverfahren etabliert. Wir setzen den Wert dennoch gezielt ein, weil er in unserer Erfahrung wertvolle Zusatzinformationen liefert – kommunizieren aber offen, wo die Grenzen der Methode liegen.
